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Freitag, 20. April 2012

Mombasa

Don't you get tired of living here?
- no, you just get used to it... but it's still great every day
Der Chef vom Africa Beach Hostel ueber das Leben im Paradies.

Tiwi-Beach, Paula und Thorben 
Ihr kennt sie bestimmt alle - die Straende aus den Reiseveranstalter Prospekten, weisser Strand, gruene Palmen, auf dem blauen Meer ein paar weisse Schaumkroenchen und darueber an einem makellos blauen Himmel eine gleisende Sonne. Dazu ein paar einfache, strohgedeckte Huetten, und davor auf einem mit rosa Blumen in einer grossen Muschel dekorierten Tisch ein ein Holzteller mit frischem Fisch in Kokos-Erdnusssose.
Sowas halt, wo man sich denkt, da komm ich nie hin, es sei denn ich gewinne im Lotto - nur das ich da war.
Aber erst mal der Reihe nach, es ist so viel passiert in letzter Zeit, da muss das African Beach Hostel noch kurz warten.
Am Dienstag letzte Woche hat die Schule zugemacht  fuer die Endtermferien, das heisst ich hab jetzt bis Anfang Mai frei. Ich bin gleich nach Schulschluss mit meinem Rucksack ins Matatu, weil ich in Western Kenya ein paar Freunde besuchen wollte. Die Reise dahin war eher doof, ich hab im Matatu meinen Geldbeutel verloren (oder er ist mir verloren worden, ich will mal nur niemand beschuldigen. Warn aber "nur" 1200 Shilling drin...), die Conductor haben mir viel zu viel Geld fuer die Fahrten abgezogen, ich bin nachts um 12e in Kisumu gestrandet, meine Matatus haben im Schnitt 2,5h gebraucht, bis sie mal losgefahren sind (ein leeres Matatu faehrt nicht los), und auf meinem Matatu Dach wurde Fisch transportiert - lecker...
Sturmfront im Anmarsch...
Zugfahren in Kenya, dritte Klasse, ein Abenteuer fuer sich
 Aber irgendwann war ich dann in Kima, meiner frueheren Wirkstaette (da wo ich am Anfang Computer Kurse gegeben hab) und hab mich da mit den Leuten getroffen, die das leiten. Das Kipepeo Comunity Empowerment Project ist mittlerweile in neue, groessere und lichtere Raeume umgezogen, und hat vor weiterhin PC Kurse zu geben - wozu sie meine Unterlagen wollen, weil ich das so gut gemacht hab. Das Problem ist nur, dass ich alles aus dem Kopf gemacht hab. Naja, jetzt hab ich ja Ferien, jetzt kann ich das aufschreiben... Hab mich dann noch mit ner anderen Freiwilligen getroffen und an einem der schoensten Orte dieser Erde ein lauwarmes Tusker getrunken. Wenn ich mal reich bin, kauf ich die Stone Mountain Bar in Kima und verbringe meinen Lebensabend damit, Sonnenuntergaenge anzugucken. Dann hab ich den Thorben besucht (der hatte Geburtstag), und durfte dazu durch den eindrucksvollsten Sturm meines Lebens fahren - vor allem, weil anfangs weit und breit kein Matatu zu sehen war, und die pechschwarze Sturmfront hinter mir aufgerueckt ist und im sekundentakt Blitze ausgespuckt hat. Gluecklicherweisse hat mich dann ein Privatmann mitgenommen, auch per Anhalter fahren funktioniert also in Kenya. 5 Minuten spaeter hat man nichts mehr gesehen, alles war schwarz und auf der Windschutzscheibe lagen Eimerweise Wasser. Aber irgendwie hat der Kerl es trotzdem geschafft das Auto ueber die Schlaglochgespickte, geflutete Strasse zu bugsieren und mich am Matatu Stand abzusetzen.
Segelschiff! Leider keine Delfine unterwegs,
dafuer warn wir noch schnorcheln
Mit dem Thorben zusammen bin ich dann am Donnerstag nach Nairobie gefahren, und am Samstag in den "Village Market" in Nairobi gegangen - KULTURSCHOCK! Das war mal ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie es werden wird, nach Deutschland zurueck zu kommen. Der Village Market ist ein Einkaufszentrum in Westlands, dem reichen Teil von Nairobi. Das heist, das erst mal die Haelfte der Leute dort weiss war - allein das war schon komisch. Ansonsten war es eigentlich nur ein grosses Einkaufszentrum, mit Applestore und Dior Filiale - aber das ist halt ein Riesenkontrast zu dem was ich hier sonst so zu sehen bekomm. Vor allem die viele verschiedenen (sauberen) Gerueche warn toll =) Um der ganzen Sache dann die Krone aufzusetzen, hab ich mir dann noch eine "Thuringer Bratwurst with Sauerkraut and mashed potatoes" gegoennt.
Eigentlich wollten wir dann mit dem Zug an die Kueste fahren, ham den aber verpasst, und stattdessen einen Reisebus genommen. Nach 8 Stunden tut einem da ganz schoen der Hintern weh...
Ueber die paradiesischen Zustaende an der Kueste hab ich mich ja schon ausgelassen... schaut euch die Bilder an und entscheidet selbst... Wer mich besuchen kommt, den nehm ich mindestens fuer 2 Tage nach Mtwapa mit, und wenn wir genug Leute sind, kenn ich jetzt auch jemand wo man fuer 50Euro am Tag ein Haus mit Kueche und Pool fuer bis zu 8 Leute mieten kann... mit Blick auf die Lagune.
An der Kueste dann ein bisschen rumgereist, frischen Fisch am Lagerfeuer am Strand gegessen, mit dem Segelboot durch den indischen Ozean, durch Mangrovenwaelder spazieren gegangen, was man halt so macht im Urlaub.
Die Rueckfahrt nach Nairobie haben wir dann im Zug hinter uns gebracht - das is ja schonmal ein Abenteuer fuer sich. Wir sparsamen Freiwilligen sind dritte Klasse gefahren, wenn wir Geld haetten waeren wir in einer Stunde geflogen statt 15h im Zug zu hocken. Und im Flieger fliegt auch niemand mit, der 20 Huehner transportiert, zu je 5 gebuendelt, und verteilt sie unter den Baenken... Heute Abend gibts noch frische Ziege, der Besitzer von der Bar wo wir manchmal Billiard spielen gehen schlachtet eine fuer uns.

Achja, wenn jemand von euch ein paar gute Ideen fuer einfache Physik experimente hat, die ich auch mit geringem Budget umsetzen kann, dann lasst mir das zukommen - Ferien sind auch bald rum, und dann muss ich wieder irgendwie versuchen, die Jugend vom Lande fuer Newtons Lehre zu begeistern...



Sonntag, 8. April 2012

Frohe Ostern!

Do you really say Happy Ester in Kenya?
- don't know...

So, Heute geht mein wohl bisher spannendstes Wochenende in Kenya zu Ende. Daraus folgt, das ich um 7e abends schon hundemuede bin, und am liebsten gleich in mein Bettchen fallen wuerde - beziehungsweise auf meinen Boden, in meinem Bett schlaeft ja grade eine Finnin.
Ich bin seit einer halben Stunde wieder in Mai Mahiu, und sitze gerade mit Stirnlampe (keine Gluehbirne in Reichweite...) im Lehrerzimmer und sollte eigentlich Mathe und Physik Klausuren korrigieren, aber mir fehlt die Motivation dazu. Morgen ist auch noch ein Tag. -naja, wenigstens Physik Klasse 2 will ich heute noch schaffen. Hab ich das schon erklaert, was Klasse 2 ist? Hier mal ein kurzer Abriss ueber das Kenyanische Schulsystem:
Zimmerueberbelegung in Mai Mahiu
Mit ca. 3 oder 4 Jahren kommen die Kinder in den sogenannten "Kindergarten", wo sie schon erste formale Bildung erhalten - keine Sandkastenspiele wie bei uns. Mit 6 kommen sie dann in die Primary School, das ist dann Class1-8. Die Primary ist umsonst und verpflichtend. Danach kommen, fuer alle die sichs leisten koennen, 4 Jahre Secondary. Es gibt keine Unterscheidung in Haupt-/Real- und Gymnasium wie bei uns. Am Ende der 4 Jahre steht das Kenyan Certificate of Secondary Education, kurz KCSE, eine Landesweit einheitliche Abschlusspruefung. Die ist immer ein Riesending, als die letzte korrigiert wurde, stand das 2 Tage lang in der Zeitung. Da gibts dann Schummelskandale, die Staemme untereinander trumpfen auf, wer die beste Schule hatte, und so weiter.
Am Ende des Ersten Terms des letzten Schuljahers (ein Schuljahr hat 3 Terme), also jetzt, steht das sogenannte PreMock an, das ist eine Schein-KCSE Klausur. Ich hab euch hier (Mathe Paper 1) mal eine hochgeladen, hab ich gebastelt =)
Nach dem Regen war die Strasse weg

Mama und Baby Pavian
Aber nach den ganzen Infos, die ihr euch auch bei Wikipedia haettet holen koennen, jetzt zu meinem spannenden Wochenende!
Da Ostern war, waren die Schueler ab Donnerstag in Limuru, das ist die Gemeinde des Bishops. Elina und ich sind dann nach Nairobi abgehauen, um das Grossstadtleben zu geniessen. Am Donnerstag hat die Lena ihren Abschied und die Elena (die aus Italien, nicht meine) ihren Geburtstag gefeiert. Dazu waren wir in Buru buru beim Hostel ums Eck in ner netten Lounge, ein Bierchen getrunken und ein bisschen getanzt, und auf dem Rueckweg hat uns dann der Manager von einer anderen Bar noch auf ein Bier eingeladen, und dann haben wir mit dem noch bis um 4e Billard gespielt, um dann erst nicht ins Bett zu kommen - erste Schlaflose
Bueffelherde und Fahrradfahrer

 Nacht! Weil im Hostel kann man nicht so wirklich ausschlafen, es gibt keine Rolllaeden (hab ich in ganz Kenya noch nicht gesehen....). Am Freitag Mittag bin ich dann mit Cici (Italienenerin), Pauline (Franzoesin), Yannik (Hollaender),Max, Leonie und Andi (Deutsche) Richtung Mai Mahiu aufgebrochen. Vorher haben wir uns noch im Cafe Deli in der Innenstadt von Nairobi einen leckeren Kaffee gegoennt, einer der wenigen Plaetze wo es sowas gibt. Als wir das Lokal dann verlassen wollten, hat dummerweise Yanniks Rucksack gefehlt - ...geklaut worden, waehrend wir daneben sasen und gegessen/getrunken haben. Unglaublich. War gluecklicherweise nur der kleine Rucksack, in dem Kamera, Reisepass, Kreditkarte, Versicherungskarte, ... drin war. Da war die Stimmung natuerlich erst mal im Eimer. Und bis wir das dann auf der Polizeiwache gemeldet haben wars auch dunkel. Aber netterweise haben uns die kenyanischen Polizisten dann eine Eskorte zur Matatu Station gegeben, und es gab noch genau 7 Plaetze nach Mai Mahiu! Perfekt!
Jakob beim Fishers Needle hochklettern

Nach der einstuendigen Fahrt durch die schwarze Nacht ham wir uns dann in meinem Zimmer breit gemacht, und das Dorf in Aufregung versetzt - so viele Muzungus auf einmal haben die noch nie gesehen!
Am Samstag gings dann von MM aus nach Naivasha, wo wir uns im Hells Gate eine Safari gegoennt haben - aber die Studentenversion, mit dem Fahrrad. Das hat den riesenvorteil, dass man nicht an die Strassen gebunden ist, und wenn man in der Ferne ein Warzenschwein oder eine Zebraherde sieht, dann biegt man einfach schnell links ab in die Pampa und schaut sich das aus der Naehe an. Und ich sag euch, es gibt nur wenige Dinge die einem gleichzeitig so unwirklich und doch hautnah vorkommen wie eine Zebraherde zum Wettrennen herauszufordern - 20meter neben dir donnern die wunderschoenen schwarz weissen Pferde ueber die Steppe, und du guckst das dein Vorderrad auf dem schmalen Wildwechsel bleibt und du die Geschwindigkeit haeltst.
Und es fing an zu regnen... im Hintergrund  Zebras!

Bei solchen Erlebnissen war es dann auch nicht ganz so schlimm, dass wir von Regen sowas von eingeweicht wurden und bis auf die Unterhose komplett nass waren. Aber ein Erdnussbutter-Margarine-Toast mit Bananen Mittagessen spaeter gings allen wieder gut. Und wenn die Gesellschaft beim Mittagessen aus Pavianen besteht, dann ist das sauwetter ganz schnell vergessen.
An Tieren haben wir gesehen: Warzenschweine, Zebras, Thompson-Gazellen, Antilopen, Waterbucks und Bueffel. Und ein paar von uns haben sogar eine Giraffe gesehen - die Schweine! Wir haben uns zum Schluss aufgeteilt, weil ein Teil nicht mehr Fahrrad fahren wollte/konnte, ist der Rest vor um das Gepaeck zu holen. Zum Dank haben sie Stundenlang in nicht-fahrenden Matatus gehockt (weil auf der Strasse eine Polizeisperre war, hat sich kein Fahrer getraut loszufahren...) und die Giraffe verpasst. Zum Gruen und Blau aergern... Aber ich bin ja noch ne Weile hier. Irgendwo wird noch ne Giraffe herkommen.

Pumba!

Den Ostergottesdienst hab ich leider verpasst, aber dafuer Schokoeier mit meiner finnischien Freiwilligen gegessen - Meine Mama hat mir die zusammen mit meinem Klettergurt zukommen lassen. Jetzt steht dem Mt Kenya nix mehr im Wege! Achja, Uebrigens heist das Land nach dem Berg und nicht umgekehrt....

Vorsicht vor den Pavianen!

Ich leg mich jetzt hin, nach 2 Naechten in denen ich das Bett mit 2 anderen Menschen teilen musste freu ich mich schon auf meine Iso am Boden. Korrekturen muessen bis morgen warten, Ostermontag ist hier auch ein Feiertag.
Achja, eine Auswahl an Bildern aus dem Hell's Gate:
Hells Gate